Martindale: So erkennst du, ob ein Stoff hält – Leitfaden zur Scheuerfestigkeit
Du möchtest ein Sofa neu beziehen, einen Sessel in einem Stoff deiner Wahl bestellen oder neue Kissen nähen lassen? Dann bist du in den Spezifikationen eines Stoffes sicher schon auf das Wort Martindale gestoßen. Die Zahl – oft irgendwo zwischen 10 000 und 100 000 – ist eines der wichtigsten Maße bei der Wahl eines Möbelstoffs. Hier erklären wir, was Martindale tatsächlich bedeutet, wie der Test abläuft und wie viele Touren dein Stoff braucht, um im Alltag zu bestehen.
Was ist Martindale?
Martindale ist ein standardisiertes Maß für die Scheuerbeständigkeit eines Stoffes – also dafür, wie gut der Stoff dem Verschleiß widersteht, wenn immer wieder etwas an ihm reibt. Genau das passiert mit einem Möbelstück im Alltag: Jedes Mal, wenn du dich aufs Sofa setzt, aus dem Sessel aufstehst oder auf den Esszimmerstuhl gleitest, werden die Fasern des Stoffes beansprucht.
Der Test ist nach der Martindale-Maschine benannt, mit der gemessen wird, und die Methode ist international genormt (EN ISO 12947). Das bedeutet, dass sich ein Martindale-Wert von Morris & Co direkt mit einem von einer anderen Marke vergleichen lässt – die Zahl spricht dieselbe Sprache, unabhängig von der Marke.
Je höher der Wert, desto strapazierfähiger der Stoff. Aber – und das ist wichtig – ein hoher Martindale-Wert sagt nichts darüber aus, wie sich ein Stoff anfühlt, wie er fällt oder wie seine Farbe altert. Er misst nur eines: Abrieb.
So läuft der Martindale-Test ab
Der Test ist ebenso einfach wie gnadenlos:
- Der Stoff wird eingespannt – mehrere Prüfstücke werden gleichzeitig getestet.
- Ein standardisiertes Wollgewebe reibt unter konstantem Druck über die Probe. Die Bewegung folgt einer liegenden Acht (einer sogenannten Lissajous-Figur), sodass der Stoff in alle Richtungen beansprucht wird – nicht nur vor und zurück.
- Jede „Tour“ wird gezählt. Die Maschine arbeitet in Intervallen, und nach jedem Intervall wird der Stoff geprüft.
- Der Test endet, wenn der Stoff nachgibt – klassischerweise, wenn zwei Fäden gerissen sind oder der Stoff deutliche Verschleißspuren zeigt, etwa wenn bei Samt der Flor durchgescheuert ist.
Die Anzahl der Touren bis zu diesem Punkt ergibt den Martindale-Wert. Ein Stoff mit 40 000 Martindale hat also 40 000 Scheuerbewegungen in der Maschine überstanden, bevor er Schäden zeigte.
Wie viel Martindale brauchst du?
Hier sind die Richtwerte, die wir selbst verwenden, wenn wir Kundinnen und Kunden bei der Stoffwahl beraten:
| Martindale | Geeignet fĂĽr |
|---|---|
| Unter 10 000 | Dekorative Zwecke: Vorhänge, Zierkissen, Kopfteile im Schlafzimmer |
| 10 000–15 000 | Gelegentlich genutzte Möbel: der Sessel im Gästezimmer, selten genutzte Stühle |
| 15 000–25 000 | Normale Nutzung zu Hause: Sofas und Sessel im Wohnzimmer |
| 25 000–45 000 | Starke tägliche Nutzung: das Familiensofa, Esszimmerstühle, ein Zuhause mit Kindern und Haustieren |
| Über 45 000 | Sehr starke Beanspruchung und öffentlicher Bereich: Hotels, Restaurants, Büros |
Unsere Faustregel bei Brittfurn: Für Möbelbezüge empfehlen wir mindestens 15 000 Martindale – das ist auch die Grenze, ab der wir Stoffe in unserem Webshop als Möbelstoff kennzeichnen. Für Esszimmerstühle und Sofas, die täglich genutzt werden, empfehlen wir 25 000 oder mehr.
Und umgekehrt: Ein Vorhangstoff braucht überhaupt keinen Martindale-Wert. Vorhänge sind keinem Abrieb ausgesetzt, dort entscheiden Fall, Lichtdurchlässigkeit und Haptik. Viele unserer schönsten Vorhangstoffe haben deshalb keinen angegebenen Wert – das ist völlig normal.
Die Zahl ist nicht alles – denk an das Ganze
Martindale ist das beste einzelne Maß für Strapazierfähigkeit, doch eine kluge Stoffwahl berücksichtigt mehr:
- Die Faser zählt. Wolle ist von Natur aus elastisch und schmutzabweisend. Leinen ist robust, knittert aber mit Charme. Samt kann hohe Martindale-Werte haben, verlangt aber Sorgfalt beim Flor. Mischungen mit Kunstfasern bringen oft zusätzliche Widerstandskraft.
- Die Dichte des Gewebes bestimmt, wie der Stoff altert – ein dichtes Gewebe mit hoher Fadendichte behält seine Form besser.
- Muster kaschieren. Ein gemusterter oder melierter Stoff verzeiht Flecken und Abnutzung eher als ein heller Unistoff.
- Pilling (Knötchenbildung) wird in einem eigenen Test gemessen – ein Stoff kann einen hohen Martindale-Wert haben und trotzdem pillen.
Unsicher? Genau dafür sind wir da. Auf jeder Produktseite in unserer Stoffabteilung geben wir den Martindale-Wert zusammen mit Zusammensetzung, Breite und Musterrapport an. Sieh den Stoff mit unserer Stoffvisualisierung in deinem eigenen Raum – oder besuche den Showroom in der Sturegatan 20 in Östermalm, wo Tausende von Mustern zum Durchblättern bereitliegen und unsere Innenarchitekten dir helfen, einen Stoff zu finden, der sowohl hält als auch sich richtig anfühlt. Soll der Stoff zudem auf eines unserer maßgefertigten Möbel, helfen wir dir, Stoff und Möbel bis ins Detail aufeinander abzustimmen.
Häufige Fragen zu Martindale
Was ist ein guter Martindale-Wert fĂĽr ein Sofa?
Mindestens 15 000 für normale Nutzung zu Hause, gern 25 000+, wenn das Sofa täglich genutzt wird oder Kinder und Haustiere im Haushalt leben.
Was bedeutet Martindale 40 000?
Der Stoff hat 40 000 Scheuertouren in der Martindale-Maschine überstanden, bevor er Verschleiß zeigte – mehr als genug für starke tägliche Nutzung zu Hause.
Brauchen Vorhangstoffe einen Martindale-Wert?
Nein. Vorhänge sind keinem Abrieb ausgesetzt, daher werden viele Vorhangstoffe nie getestet. Dort wählst du stattdessen nach Fall, Licht und Haptik.
Kann ich einen Stoff mit niedrigem Martindale-Wert für ein Möbelstück verwenden?
Bei selten genutzten Möbeln – einem Akzentsessel oder einem Kopfteil – können 10 000–15 000 funktionieren. Für täglich genutzte Möbel raten wir davon ab.
Wie wird der Martindale-Test durchgefĂĽhrt?
Stoffproben werden unter Druck in einer achtförmigen Bewegung gegen ein Standard-Wollgewebe gerieben, bis Fadenbruch oder deutlicher Verschleiß auftritt. Die Anzahl der Touren ergibt den Martindale-Wert des Stoffes (EN ISO 12947).


























